Untersuchungen zum Nestverhalten von Grauschnäppern

"Untersuchungen zum Nistverhalten von Grauschnäpper und Star"

- Ein Jugend-Forscht Projekt -

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Jonas HILT und Jakob MISCHKE

Berlin
 

März 1999
 

 

Zusammenfassung
Ziel unserer Arbeit war, das Leben von Grauschnäpper und Star innerhalb eines Nestes möglichst umfassend durch Videoaufnahmen zu beobachten und Vorgänge, wie z.B. Brutverhalten, Fütterungen und Hudern, zu beschreiben. Parallel dazu wollten wir dokumentieren, wie die Jungen sich entwickeln, und ob es bei fortschreitender Entwicklung der Jungen Änderungen im Verhalten der Altvögel gibt. Der Meßaufbau bestand im wesentlichen aus einer CCD-Kamera und einem Mikrofon, welche mit einem weit entfernten Videorecorder verbunden waren. Um jederzeit gute und ungestörte Aufnahmebedingungen zu haben, benutzten wir eine Infrarotbeleuchtung, die von den Vögeln nicht wahrgenommen werden kann.

Um die Aktivitäten am und im Nest zu dokumentieren, haben wir eine Codierung entwickelt, die es erlaubt, die Videoinhalte in Daten zu übertragen. Diese Übertragung haben wir manuell vorgenommen. Insgesamt wurden so von uns über einen Zeitraum von zwei Jahren über 100 Stunden Videoaufnahmen ausgewertet und mit Grafiken dokumentiert.

Zu den wichtigsten Ergebnissen unserer Arbeit gehört bei den Grauschnäppern, daß kurz nach dem Schlüpfen des Jungen der hudernde Altvogel oft von seinem Partner gefüttert wird. Der hudernde Altvogel teilt sich also das Fressen mit den Jungen.

Bei den Staren konnten wir bestätigen, daß die Hauptaktivitäten zwischen 8:00 Uhr und 10:00 Uhr liegen. Vor allem scheint das Starenmännchen zu Beginn der Partnerschaft Probleme mit der Nähe des Starenweibchens zu haben. Zum Verhalten der Jungvögel ist anzumerken, daß diese in den letzten Tagen vor dem Ausflug so "futtergierig" werden, daß das kräftigste Junge zum Nachteil aller anderen das Einflugloch des Starenkastens blockiert und auf diese Weise das gesamte Futterangebot bekommt. Nach dessen Ausflug wird das Einflugloch dann vom nächststärksten Jungen besetzt. Die schwächeren Jungen können dabei im Nest verhungern.
 
 



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    Einleitung

    Wie wir auf das Thema kamen

    Es ist schon mehrere Jahre her, da blätterte Jonas in einem Katalog eines Elektronik-Kaufhauses die Seiten für Miniatur CCD-Kameras durch, als ihm die Idee kam, eine Videokamera in einen Nistkasten einzubauen, um das Brutverhalten von Vögeln zu beobachten.

    Als wir uns diesen "Traum" im Frühjahr 1997 an einem Starenkasten vor Jonas‘ Haus erfüllen wollten, bauten die Stare zwar ein Nest, aber Eier legten sie nicht. Wir waren enttäuscht von den Staren, da wir frühestens im nächsten Jahr wieder mit einem Starennest in diesem Kasten rechnen konnten und überlegten uns, ob es sinnvoll wäre, daß Jonas die "Kameraausrüstung" in den Sommerferien 1997 mit in sein Ferienhaus nach Nordfriesland nehmen sollte, um dort nach geeigneten Objekten zu suchen. Schließlich entschlossen wir uns, es zu tun. Als Jonas dort war, zeigte es sich als eine gute Entscheidung, denn an einem unbenutzten Stall entdeckte er ein Grauschnäppernest mit einem frisch geschlüpften Jungen und zwei Eiern, das so günstig lag, daß er beim Anbringen der Kamera den brütenden bzw. hudernden Altvogel kaum - oder besser gesagt gar nicht - stören konnte.

       

    Motivation: Unsere vorherige Teilnahme am Wettbewerb

    1997 haben wir zum ersten mal am Wettbewerb Jugend-Forscht (Nordberlin) teilgenommen. Damals hatten wir für unser Jugend-Forscht Projekt durch einen einfachen elektromechanischen Kontakt im Einflugloch des selben Starenkasten, den wir auch diesmal benutzt haben, einen selbstgebauten Plotter angesteuert, der bei jedem Ein- oder Ausflug auf einem Papierstreifen einen Ausschlag aufzeichnete. Mit dieser Methode konnte man sich allerdings kein "Bild" vom Innenleben des Starenkastens machen. Trotzdem erhielten wir damals gute Ergebnisse und waren auch im Wettbewerb erfolgreich: Landesvizemeister in Berlin in Biologie und Sonderpreis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

    Untersuchungsmethode

    Wenn man den Aufbau der Meßanlage vereinfacht beschreibt, kann man sagen, daß wir eine Videokamera über dem Nest plaziert haben, von welcher ein langes Kabel zu einem Videorecorder führt. An diesen Videorecorder brauchten wir dann nur einen Fernseher anzuschließen, um die aufgenommenen Bilder dann auch auswerten zu können. Es ergab sich damit außerdem die Möglichkeit, Live-Bilder anzusehen.

    Lage des Grauschnäppernestes


    Die Brut der Grauschnäpper wurde im nördlichem Schleswig-Holstein (Westküste) aufgenommen. Das Nest wurde auf einer Schiebetür einer Scheune gebaut. Da über dem Nest noch eine Blechabdeckung war, war es vor größeren Nesträubern gut geschützt. Hätte man die Schiebetür geöffnet, wäre das Nest zerstört worden; dies war allerdings kein Problem, da die Scheune seit Jahren ungenutzt ist. Die Altvögel konnten das Nest erreichen, indem sie unten oder an der Seite durch den Spalt zwischen Abdeckung und der Oberseite der Tür einflogen. Dieser Neststandort ist ein typisches Beispiel für einen Nischenbrüter.

    Lage des Starennestes


    Die Stare wurden in Berlin-Wittenau auf einem Gartengrundstück aufgenommen. Das Starennest wurde in einem speziellen, für Projekte wie dieses vorbereiteten Starennistkasten gebaut, der in ca. 3m Höhe an einer großen Birke befestigt wurde. Der Kasten hängt dort schon mehrere Jahre und wurde schon oft von Staren benutzt.

    Kamera, Mikrofon und Videorecorder


    Bei der Kamera handelt es sich um ein Schwarz-Weiß CCD Kamera-Modul. Es besitzt eine eingebaute Beleuchtung mit sechs Infrarot-Leuchtdioden (LED). Das Kamera-Modul benötigt eine Betriebssspannung von 12 V= und nimmt im Betrieb einen Strom von 200 mA auf. Das Modul ist mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet und hat eine Lichtempfindlichkeit von 0,2 Lux sowie eine Auflösung von insgesamt 297.984 Pixel. Die Abmessung des kompletten Moduls beträgt 46x70x27 mm. Der Videoausgang der Kamera läßt sich direkt an den Videoeingang von TV-Geräten und Videorecordern anschließen.


    Das Kabel, das die Kamera und den Videorecorder verbindet, muß relativ lang sein, da der Videorecorder ja nicht im Freien stehen kann. Für unsere Zwecke reichte ein ca. 30 m langes vieradriges Telefonkabel für die Aufnahmen von Grauschnäpper und Stare aus. Von den Adern wurden benutzt: 1x +12V, 1x GND und 1x Video; die vierte Leitung übertrug die Signale des Mikrofons zum Videorecorder. Obwohl die Leitung elektrisch nicht abgeschirmt war, ergaben sich keinerlei Probleme mit der Bildqualität.

    Der Videorecorder, den wir zuerst benutzten, war schon sehr betagt und "zerknüllte" unsere Bänder häufig, wenn man nicht sehr vorsichtig mit ihm umging. Dies führte zu dem Entschluß, für das Projekt einen neuen Videorecorder zu kaufen. Wichtig ist, daß der Recorder einen getrennten Eingang für Video- und Tonsignale hat, was eigentlich bei jedem Videorecorder über den SCART-Stecker zu machen ist.

    Aufbau der Anlage am Grauschnäppernest

    Da Jakob seine Ferien woanders verbrachte, nahm Jonas die Videos am Grauschnäppernest allein auf. Das Anbringen der Kamera gestaltete sich schwierig, da das Nest nicht direkt zu erreichen war. Da man von der Außenseite des Stalls die Kamera nicht installieren konnte, entschloß sich Jonas, die Kamera von innen zu installieren, um die Vögel so wenig wie möglich zu stören. Dabei war aber jede Menge Blech im Weg, das abgenommen werden mußte, um das Nest von innen zu erreichen. Er wartete also, bis der Altvogel beim Hudern eine Pause einlegte und das Nest verließ. Daraufhin bog er die Blechwand des Stalles direkt über dem Nest mit einem Stemmeisen so zur Seite, daß das Objektiv der Kamera gerade hindurchpaßte. Dies mußte er immer in kleinen Schritten durchführen, da der Altvogel immer wieder zum Nest zurückkehrte, um zu hudern. Er wartete also wieder, bis der Vogel das Nest verließ und brachte nun die Kamera an, die er zuvor auf einem Stück Blech montiert hatte. Es dauerte relativ lange, bis die Kamera richtig ausgerichtet und das Bild einigermaßen scharf war. Jonas war froh, ein so günstig gelegenes Nest gefunden zu haben, und er wollte nicht riskieren, daß die Grauschnäpper das Nest aufgäben, nur weil er evtl. versuchte, eine immer noch bessere Bildqualität zu bekommen - wir wollten ja wissenschaftliche Daten bekommen und keine fernsehtauglichen Bilder.


    Als Jonas sich die ersten Videos ansah, bemerkte er, daß die Grauschnäpper während des Brütens und Fütterns oft den Schnabel öffneten - sie gaben also irgendwelche Töne von sich, und daher entschloß sich Jonas, die Videos mit Ton zu versehen. Dazu schloß er ein externes Mikrofon an, schützte es mit einem Lappen vor den Geräuschen des Windes und legte es schließlich neben das Nest. Nun konnte Jonas auch die Geräusche, die die Jungen und die Altvögel von sich gaben, aufnehmen. Einige dieser Laute waren recht sonderbar, und wir konnten nicht viel mit ihnen anfangen. Da wir sie aber nicht vernachlässigen wollten, fertigten wir von ihnen Sonagramme an.

    Aufbau der Anlage im Starenkasten

    Der Nistkasten war von Anfang an so konzipiert, daß das Anbringen der Kamera kein Problem bereiten würde; im ganzen besteht der Kasten aus zwei Kammern: eine Kammer für die Stare, also der Nistraum, und eine eigene für die Kamera (Skizze). Beide Kammern kann man separat von außen öffnen, so daß auch während der Brut im Bedarfsfall die Kamera ohne eine Störung der Jungen herausgenommen werden kann. Die Skizze zeigt einen Schnitt durch den Kasten: oben der Raum mit der Kamera, der durch ein Loch für das Objektiv mit dem unteren Nistraum verbunden ist.

    Auswertung der Videoaufnahmen

    Nachdem wir eine Unmenge an Videos aufgenommen hatten, kam der zweite Teil der Arbeit: das Auswerten der Videos. Wir schauten die Videos an und spulten sie im Schnelldurchlauf immer so weit vor, bis ein Altvogel einflog oder sich etwas "Interessantes" im Nest ereignete. Dann spielten wir die Szene nochmals in Echtzeit ab und schrieben auf, was wann passierte. Diese Protokolle faßten wir in einer Tabelle und später in Diagrammen zusammen.

    Damit wir bei jedem Ereignis nicht soviel schreiben mußten, benutzten wir einen Code, mit dem man die Beobachtungsergebnisse schneller dokumentieren und leichter auswerten konnte.

    Der Code

    Der Code besteht im wesentlichen aus der Angabe, wer was tut: M für Männchen, W für Weibchen, X für Unerkennbar. Bei Aktionen, wie z.B. Füttern oder Hereintragen von Nistmaterial, wühlt im Nest oder singt, gab es dann noch weitere Abkürzungen.

    Der fertige Code sah dann zum Beispiel so aus: "MkfjRm...gk".

    Also: Männchen (M) kommt (k) in den Kasten und füttert die Jungen (fj) mit einer mittelgroßen (m) Raupe (R). Nach ein paar Sekunden (...) fliegt es wieder weg (g) und nimmt Kot mit hinaus (k).

    In dieser Art hatten wir noch mehrere Codes, und wir konnten mit ca. 50 Positionen jedes beliebige Verhalten der Stare mit maximal zehn Buchstaben ausdrücken. Diese Codierung erwies sich als eine prima Auswertemethode.

    Das Auswerten des Codes

    Als wir die gesamten Auswertungen hatten, versuchten wir, diese in einer Tabelle so zu speichern, daß man Aussagen über die Häufigkeit der Einflüge bei verschiedenen Bedingungen machen konnte. Allerdings stellte sich heraus, daß man die Frequenzen nicht so gut wie bei der Erfassung mit dem Plotter in unserem vorhergehenden Projekt auswerten konnte, da wir meist nur zwei Stunden am Tag Aufzeichnungen gemacht hatten. Diese Zeit war zu kurz, so daß wir z.B. die Kotmitnahmen nicht in Verbindung zu den Fütterungen setzen konnten. Auch mit dem Wetter konnten wir die Frequenzen nicht in Verbindung setzen, da unsere Wetteraufzeichnungen zu grob waren. Ebenso konnte man einen Regen- nicht mit einem Sonnentag vergleichen, da die Einflugfrequenzen hier unterschiedlich sind. Schließlich kamen wir dann doch noch auf eine Auswertungsmethode, bei der man die wichtigsten Ereignisse in einer Tabelle zeigen konnte: Wir errechneten für jeden Tag einen Durchschnittswert für das auszuwertende Ereignis. Z.B., wenn wir auf einem Zwei-Stunden-Video 56 Fütterungen hatten, rechneten wir diesen Wert linear für 15-Minuten-Intervalle um und erhielten dann für diesen Videoausschnitt im Mittel sieben Fütterungen in 15 Minuten. Nun errechneten wir für jede Videoaufnahme einen solchen Wert und stellten Diagramme auf.

    Grauschnäpper (1997)

    Als Jonas am 22. Juni 1997 in Nordfriesland ankam, fand er bei einem Spaziergang ein Grauschnäppernest über einer Tür eines Stalles. Zu diesem Zeitpunkt war schon ein Junges geschlüpft, außerdem lagen im Nest noch zwei, wahrscheinlich durch das Junge beschädigte, Eier, die dann später vom Altvogel entfernt wurden. Sofort brachte Jonas die Kamera direkt über dem Nest an, und legte die Kabel in einen Raum, wo er den Videorecorder stehen hatte. Von nun an nahm er täglich Videos auf.

    Einen Tag nach dem Anbringen der Kamera sah er, daß das Junge und die Altvögel beim Füttern Laute ausstießen. Deswegen brachte er ein Mikrofon in der Nähe des Nestes an. Von nun an waren alle Videos auch mit Ton versehen. Zwei Tage später warfen die Altvögel die Eier, aus denen keine Jungen geschlüpft waren, aus dem Nest heraus. Von nun an fütterten die Altvögel das einzige Junge fleißig. Ab dem 28. Juni huderten sie nur noch sehr selten. Am 4. Juli verließ das Junge das Nest zum ersten Mal. Von nun an lernte es sehr schnell das Fliegen, ließ sich aber von den Altvögeln noch drei Wochen lang füttern. Erst ab dem 1. August war es so ausgewachsen, daß man es von den Altvögeln kaum noch unterscheiden konnte.

    Als das Junge ausgeflogen war, hatten wir mit den Grauschnäppern 41 Stunden Videomaterial aufgenommen.

    Verhalten der Grauschnäpper im Nest


    Um das Verhalten der Altvögel und Jungen besser gliedern zu können, haben wir die Zeit, in der das Junge aufwächst, in drei Abschnitte unterteilt. Die erste Phase bezieht sich auf die ersten Tage nach dem Schlüpfen, d.h. das Junge ist noch unbefiedert und bewegt sich selten. In der zweiten wird das Junge schon sehr flaumig und kann sich mit den Beinen im Nest bewegen. In der dritten und letzten Phase ist das Junge befiedert und kann sich ohne Mühe im Nest bewegen. Diese Abschnitte gelten sowohl für die Grauschnäpper als auch für die Stare.

    Hudern

    Bei den Grauschnäppern hudern die Altvögel in der ersten und zweiten Phase. Erst wenn das Junge in der dritten Phase fast das ganze Nest ausfüllt, wird nicht mehr gehudert.


    Beim Hudern beobachtet der Altvogel aufmerksam, aber ruhig die Gegend um das Nest herum. Sieht er irgendwelche Objekte, die sich auf ihn zubewegen, duckt er sich ins Nest. Erst wenn das Objekt näher als 4-5 m am Nest ist, fliegt der Altvogel weg. Hört der Altvogel ein nicht zu lokalisierendes Geräusch (z.B. in der Scheune hinter dem Nest) schaut er aufmerksam über den Nestrand. Jede kleine beunruhigende Bewegung außerhalb des Nestes führt jetzt dazu, daß das Nest sofort verlassen wird.

    Allgemein gibt es beim Hudern keine besonderen Ereignisse. Der Altvogel schläft beim Hudern oft ein, schreckt aber bei jedem beunruhigendem Geräusch wieder auf.

    Wenn das Junge unter dem Altvogel zu aktiv wird, steht der Altvogel auf, schiebt das Junge an eine andere Stelle im Nest und hudert weiter. Vor allem in der zweiten Phase kommt dies sehr häufig - manchmal sogar jede Minute - vor.

    Fütterung

    Außer in der ersten Phase übergibt der Altvogel das Futter gleich dem Jungen, d.h. der Altvogel fliegt zum Nest und landet ca. 10 cm neben ihm. Nun wartet der Altvogel, ob die "Luft rein ist" und geht dann direkt zum Nest. Dort füttert er das Junge und pickt nach der Fütterung dem Jungen an den Schwanz. Dies ist das Zeichen dafür, daß das Junge, wenn es Kot abgeben muß, es nun tun kann. Der Altvogel wartet noch einige Sekunden und fliegt dann mit oder ohne Kot weg.

    In der ersten Phase übergibt der Altvogel das Futter meistens dem hudernden Partner, der es dann an das Junge weitergibt. Dabei gibt der Partner "seltsame Geräusche" von sich und flattert aufgeregt mit den Flügeln: Sonagramm 1 (1,8 sek.).

    Vor allem in der ersten Phase ist uns aufgefallen, daß das Junge oft nicht reagiert, wenn ein Altvogel mit Futter gelandet ist, der Altvogelpartner aber nicht im Nest ist. Der Altvogel gibt auch dann spezielle Geräusche von sich, um das Junge zu "wecken": Sonagramm 3 (7,5sek). Wenn das Junge danach immer noch nicht reagiert, fliegt der Altvogel mit dem Futter wieder weg. In der zweiten und dritten Phase kamen solche Fälle nicht mehr vor, da das Junge unersättlich erschien und andauernd fiepte: Sonagramm 2 (1,8sek.).


         

    Verhalten des Jungen

    In der ersten Phase verhält sich das Junge absolut passiv. Es kann sich nur bewegen, indem es mit dem Kopf und Bauch schlängelnde Bewegungen macht. Den Kopf kann es auch nur kurze Zeit nach oben strecken, was davon zeugt, daß das Junge noch sehr schwach ist. Nur bei einer Fütterung sind häufige Bewegungen festzustellen.

    In der zweiten Phase wird das Junge deutlich aktiver; es bewegt sich häufig, indem es sich mit den langen Beinen gegen das Nest stemmt. Das Junge fiept entgegen der ersten Phase vor allem bei der Fütterung häufig. Das Junge knabbert oft mit dem Schnabel an der Nestwand herum.

    In der dritten Phase wird das Junge sehr aktiv. Es fiept andauernd - nicht nur bei Fütterungen - und unternimmt immer wieder Flugversuche. Das Nest verläßt es aber erst am Ende der dritten Phase. Das Junge ist inzwischen so groß, daß es das ganze Nest ausfüllt. Man kann sich fast nicht vorstellen, daß dieses "Mininest" für drei Jungen vorgesehen war. Das Junge schaut öfters über den Nestrand und bewegt sich ständig. Bei einer Fütterung fiept es besonders laut.

    Resultate
     


    1. Diagramm 1: Verhältnisse von Anflügen, Hudern, Fütterungen und Kotmitnahmen am Grauschnäppernest

    Das Diagramm 1 faßt die einzelnen Auswertungsdiagramme der Grauschnäppervideos zusammen. In diesen wurde aus der Zahl der Anflüge, der Fütterungen, der Kotmitnahmen und der Zeit des Huderns Durchschnittswerte für 15 Minuten für jedes Video errechnet. Das heißt, die erste (schwarze) Säule zeigt an, wie oft ein Grauschnäpper an diesem Tag, zu dieser Stunde durchschnittlich eingeflogen ist. Die graue Säule gibt über die Zahl der Fütterungen Auskunft und so weiter...

    Im Diagramm 1 kann man gut sehen, daß ab dem 30. Juni tagsüber nicht mehr gehudert wird. Die Anzahl der Fütterungen schwankt tageszeitlich bedingt sehr stark.

    Am 2. Juli nahmen wir von 2:35 Uhr bis 4:35 Uhr Videos auf. Diese Werte unterscheiden sich erwartungsgemäß sehr stark von denen der Tagesergebnissen.

    Stare (1998)

    Seit dem 18. Februar 98 ließen sich erste Anzeichen von Aktivität am Starenkasten vernehmen. Ein Weibchen fing an, sich sehr für den Kasten zu interessieren. Zwei Tage später brachten wir dann die Kamera am Starenkasten an. Allerdings flogen die Stare nur selten und meist recht genau gegen 8:30 Uhr ein. Am 5. März war dann der Nestbaubeginn, doch aufgrund der geringen Temperatur (2 °C) wurde nicht sehr viel getan; erst am 1. April fingen die Stare an, intensiv am Nest zu bauen. Dann kamen genau im ungünstigsten Moment die Osterferien, und wir mußten den Videorecorder allein lassen, da wir in den Urlaub fuhren. Wir konnten ihn aber so programmieren, daß regelmäßig, alle paar Tage, Videoaufnahmen erfolgten. Dummerweise fanden genau in dieser Zeit interessante Ereignisse statt, nämlich Eierlegen und Schlüpfen. Das Eierlegen erfolgte zwischen dem 6. und dem 10. April, das Schlüpfen der fünf Jungen zwischen dem 20. und dem 24. April. Von der sich anschließenden Fütterungsphase konnten wir allerdings viele Videos aufzeichnen, bis dann am 9. Mai die jungen Stare ausflogen. Insgesamt nahmen wir mit den Staren ca. 70 Stunden Video auf.

    Verhalten der Stare im Nest

    Bei den Staren haben wir für die Auswertung wieder dasselbe Schema mit den drei Phasen verwendet, welches wir schon bei den Grauschnäppern angewendet haben. Es gelten die selben Eigenschaften für jede Phase, wie für die Grauschnäpper.

    Nestbau

    Stare bauen ihre Nester sehr unordentlich, d.h. eigentlich bestehen sie nur aus aufgeschichteten Blättern, Gräsern und Ästen, die einfach aufeinandergelegt werden. Die Nestmulde bilden die Stare im hinterem Teil des Nistkastens direkt an der Wand. Sie wird gebildet, indem sich der Star mit dem Bauch direkt auf das Nest legt und mit ihm hin und her wackelt. Dadurch wird das Nistmaterial unter dem Star zur Seite geschoben und es entsteht eine Mulde. Daß die Stare das Nistmaterial mit dem Schnabel verflechten, wurde nie beobachtet. Allerhöchstens picken sie mal hier, mal dort das Nistmaterial mit dem Schnabel fest.

    Sehr wählerisch sind die Stare dagegen mit dem Nistmaterial. Vor allem das Männchen pflückt fein säuberlich die Blütenblätter der Stiefmütterchen im Garten der Nachbarn ab... Auch gutriechende Blätter werden fein säuberlich abgepflückt und in den Kasten getragen. Es riecht in diesem schon wie in "Omas Kräutergarten". Das Weibchen ist nicht so fleißig im Aussuchen des Baumaterials und nach und nach - durch den schlechten Einfluß des Weibchens, oder den einsetzenden Zeitdruck? - verliert das Männchen auch seinen "Geschmack" und sammelt alles ein, was man irgendwie für ein Nest gebrauchen kann. Warum werden nur in den ersten Tagen des Nestbauens solche speziellen und fein säuberlich gesammelten Materialien verwendet? Sind das alles nur "Brautgeschenke" für das Weibchen?

    Brüten und Hudern

    Bei der Brut ist der brütende Star sehr inaktiv. Anders als bei den Grauschnäppern läßt der brütende Altvogel sich durch nichts stören; dick aufgeplustert sitzt er auf den Eiern und brütet. Vom andern Altvogel wird der Star nicht gefüttert! Er legt deshalb öfters als bei den Grauschnäppern Brutpausen ein, die aber immer recht kurz sind.

    Beim Hudern gilt das gleiche wie beim Brüten. Interessant ist nur, wenn ein Partner hudert, und ein anderer die Jungen füttern will. Der Star, der füttern will, landet kurz vor dem Kasten und macht sich akustisch bemerkbar. Der hudernde Altvogel hört dies und verläßt den Nistkasten. Nun kann der andere Altvogel füttern. Kurz nach der Fütterung wird wieder gehudert.

    Verhalten der Jungen


    Vor allem in der ersten Phase ist auffallend, daß die Jungen wie in einer Pyramide übereinanderliegen und sich so gegenseitig wärmen, wenn die Altvögel nicht hudern. Die Jungen sind noch recht inaktiv, fiepen nicht, aber öffnen schon bei jeder Bewegung des Nistkastens die Schnäbel und recken die Hälse. Kot wird meistens gezielt dann abgegeben, wenn einer der Altvögel gerade Fressen gebracht hat. Der Jungvogel streckt dann sein Hinterteil nach oben und wackelt mit dem Schwanz. Die Altvögel warten dann noch, bis das Junge den Kot abgegeben hat und nehmen diesen mit. Nur ganz selten wird Kot in eine Ecke des Nistkastens gelegt, wenn die Altvögel nicht im Kasten sind. Die Altvögel füttern allgemein sehr vorsichtig und verteilen das Futter gut unter den Jungen. Nur in der zweiten und dritten Phase bekommt immer ein Junges den ganzen Schnabelinhalt.

    In der zweiten Phase sind die Jungen schon sehr viel aktiver. Sie können alle problemlos die Köpfe heben und sich im Nistkasten bewegen. Hin und wieder fiepen die Jungen, hauptsächlich aber, wenn ein Altvogel in den Nistkasten kommt. Die Kotballen werden nicht mehr, wie in der ersten Phase, von den Altvögeln mitgenommen, sondern werden von den Jungen in den vier Ecken des Nistkastens verteilt. Die Altvögel nehmen sie dann bei jedem Einflug mit. Interessant ist das Verhalten der Altvögel, wenn es im Kasten so dunkel ist, daß die Vögel nichts mehr erkennen. Da die Altvögel dann auch nicht mehr erkennen, in welcher Ecke Kot liegt oder ob überhaupt Kot da ist, nehmen sie einfach auf gut Glück einen Schnabel voll aus jeder Ecke mit.

    In der dritten Phase sitzen die Jungen dicht an dicht im Nistkasten. Man hat den Eindruck, daß sie gar nichts tun. Hin und wieder bepicken die Jungen ihre Flügel und unternehmen Flugversuche. Vor allem kurz vor dem Ausfliegen kommt es häufig vor, daß eines der Jungen im Einflugloch des Nistkastens sitzt und sich so von außen füttern läßt. Dies hat für das Junge den Vorteil, daß es sehr viel zu Fressen bekommt und sich sehr schnell entwickelt. Aber die anderen Jungen im Kasten bekommen dann für längere Zeit kein Futter mehr, denn öfters sitzt das Junge im Loch bis zu 30 Minuten lang "am gedeckten Tisch". Öfters wird es zwar von den anderen Jungen weggedrängt, aber das viele Fressen muß ja auch irgendwo hin. Die Folge ist, daß das Junge im Einflugloch am schnellsten wächst, und nach einigen Tagen ist es das Dickste im Kasten und läßt sich von den anderen nicht mehr vom Einflugsloch verjagen. Die anderen Jungen haben dadurch mehrere Nachteile: Erstens wird die Frischluftzufuhr in den Kasten stark eingeschränkt. Zweitens sammelt sich Kot im Kasten, da die Altvögel nicht mehr in den Kasten fliegen, sondern am Loch füttern, und drittens, und das ist der wichtigste Punkt, bekommen die übrigen Jungen im Kasten kein Fressen mehr. Kurz vor dem Ausfliegen konnte man zwei große Jungen im Kasten sehen, die ständig am Einflugsloch hingen. Zwei andere bekamen hin und wieder noch Futter und das fünfte Junge magerte stark ab. Es hatte etwa einen Tag lang nichts zu fressen bekommen und wurde immer schwächer. So kam es, daß es nicht mehr die dominierenden Jungen vom Einflugsloch vertreiben konnte. Es magerte also noch stärker ab und verendete am 10. Mai gegen 11:00 Uhr. An diesem Tag hatte es nichts mehr zu Fressen bekommen. Natürlich ist Futtermangel nur eine Annahme für den Tod des Jungen, aber wir sind der Meinung, daß er eine wesentliche Rolle gespielt hat. Auch anmerken muß man noch, daß die Jungen nicht an einem Tag ausgeflogen sind. Das Junge, das am längsten am Einflugsloch hing, ist zuerst ausgeflogen.

    Resultate

    Bei den Staren haben wir sehr viel mehr Videoaufnahmen als bei den Grauschnäppern; deshalb konnten wir die Ergebnisse nicht mehr alle in einem Diagramm (Problem auf der Zeitachse) darstellen. Deshalb teilten wir das Diagramm so auf, daß nur noch jeweils zwei Werte dargestellt werden. Da die Stare in den ersten Tagen sehr wenig einflogen, konnten wir aus diesen Daten keine Durchschnittswerte gewinnen.

    Das Diagramm 2 stellt Anflüge in das Nest und Anflüge ohne Einflüge in den Kasten dar; d. h. wenige Tage vor dem Ausfliegen flog der Altvogel nicht mehr in den Kasten ein, um zu füttern, sondern fütterte außen am Loch hängend.

    Die Hauptaktivitäten bei der Jungenaufzucht lagen immer zwischen ca. 8:00 Uhr und 10:00 Uhr. Daher gab es am 26. April und am 30. April mehr Anflüge als sonst, da wir die Videos zu dieser Zeit erstellten.

    Im Diagramm 3 sieht man gut, daß die Kotmitnahmen im Vergleich zu den Fütterungen zum Ende der Fütterungsperiode hin zunehmen. Ebenso steigen und fallen diese Werte meist gemeinsam. Auch hier finden die größten Aktivitäten in den Morgenstunden statt.

    Wie schon bei den Grauschnäppern, hören auch Stare ein paar Tage nach dem Schlüpfen der Jungen auf zu hudern. Die meiste Zeit verbringen sie beim Brüten auf den Eiern: Diagramm 4.


    Diagramm 2: Verhältnis von Anflügen und Fütterungen am Einflugloch des Starenkastens


    Diagramm 3: Verhältnis von Fütterungen und Kotmitnahmen am Starenkasten


    Diagramm 4: Verhältnis von Brüten, Hudern, Nestwühlen und Eier- oder Junge-Wenden am Starenkasten
     

    Spezielles Verhalten der Grauschnäpper...

    ...beim Heranwachsen des Jungen

    Es ist uns mehrmals aufgefallen, daß die Altvögel das Junge, vor allem dann, wenn es Federn bekommt (3. Juni 97), öfters bepicken und versuchen, so die Federhülsen und restliche Haare des Jungvogels zu entfernen. Die abgepickten Hülsen werden vom Altvogel gefressen. Dieses Verhalten wird mehrmals in der Stunde vorgenommen, und führt oft dazu, daß das Junge von den Altvögeln sehr heftig bepickt wird und meistens versucht, den spitzen Schnäbeln der Altvögel zu entkommen.

    ...beim Ausfliegen des Jungen

    Am 4. Juni 97 flog der junge Grauschnäpper gegen abend aus. Das Junge schlief noch die ganze Nacht im Nest. Alles schien ganz normal, aber am frühem Morgen wurde das Junge unruhiger und schlüpfte aufgeregt herum, bis es gegen 04:55 Uhr endgültig das Nest verließ. Es saß dann längere Zeit außerhalb des Nestes und lief auch auf der Latte, auf der das Nest gebaut war, umher. Der Kot wurde nicht mehr an die Altvögel übergeben, sondern einfach neben das Nest gelegt, wo die Altvögel ihn abholten. Versuche mit ins Nest gelegten bunten Papierröllchen haben ergeben, daß die Altvögel alles wegtragen, was weiß ist, und in die Größenordnung von Kot paßt.

    ...beim Nahrungserwerb

    Der Grauschnäpper frißt, wie sein Name (Grauer Fliegenschnäpper) schon sagt, hauptsächlich Fluginsekten von der Größe einer kleinen Mücke über dicke Nachtfalter bis zu mittelgroßen Libellen - sprich: es wird alles von der Warte aus angegriffen, was fliegt, in die Größenordnung einer dicken Fliege paßt und einen Kontrast zum Horizont bildet.

    Der Grauschnäpper ist ein Ansitzjäger d.h., er sitzt auf einer erhöhten Position (exponierter Ast o.ä.) und wartet bis ein Insekt vorbeifliegt. Wenn dies passiert, fliegt der Grauschnäpper diesem Insekt in kunstvollem Flug hinterher und fängt es - oder auch nicht; daraufhin kehrt er meistens auf die Warte zurück, von der er abgeflogen ist. Dies passiert mehrmals - meist in kurzen Abschnitten hintereinander - bis die Warte gewechselt wird und an einer anderen das "Nahrungserwerb-Spiel" wiederholt wird.

    Zeitlicher Überblick (1997)
     

    bis 22.06. Ablage von 3 Eiern, ein Junges geschlüpft.
    22.06. Anbringen der Kamera; Aufnehmen des ersten Videos. Das Grauschnäpperweibchen brütet bzw. hudert, während das Männchen das Weibchen und das Junge füttert. Beim Anbringen und Einstellen der Kamera lassen sich die Altvögel nicht stören.
    23.06. Nestzustand wie am vorherigen Tag; Ein Junges geschlüpft, zwei Eier werden bebrütet. Das Junge ist lebhafter und wird größer. Anbringen eines Mikrofons zum Vertonen der Videos.
    25.06. Die restlichen Eier wurden entfernt; Federansätze beim Jungen zu erkennen.
    26.06. Das Junge ist sehr flaumig; Die Federansätze sind ca. 5 mm groß.
    27.06. Das Junge ist deutlich schwarz/weiß gefleckt.
    28.06. Die Altvögel hudern nur noch selten; Das Junge fiept sehr laut und versucht immer wieder sich hinzustellen, was ihm aber nicht gelingt.
    30.06. Das Junge ist schon sehr groß und bekommt einen deutlich erkennbaren Schwanz. Häufig streckt es die Flügel aus und flattert mit ihnen.
    04.07. Das Junge verläßt gegen 21:30 Uhr das Nest und sitzt in niedrigen Pflanzen.
    ab 05.07. Der junge Grauschnäpper hat einen ca. 2 cm langen Schwanz. Er fliegt selten und läßt sich in den Bäumen in meistens ca. 2m Höhe von den Altvögeln füttern.
    17.07. Der Schwanz des Jungen ist deutlich gewachsen. Der junge Grauschnäpper fliegt gut, fiept aber immer noch unermüdlich und läßt sich von den Altvögeln füttern.
    21.07. Der junge Grauschnäpper versucht hin und wieder, wie die Altvögel ein Insekt zu fangen. Er läßt sich von den Altvögeln aber noch füttern.
    01.08. Das Grauschnäpper-Junge ist im Aussehen nicht mehr von den Altvögeln zu unterscheiden. Es fiept wohl noch hin und wieder und bettelt so die Altvögel an, aber es fängt viel öfters mit den Altvögeln zusammen Futter auf die für Grauschnäpper bekannte Weise.

    Spezielles Verhalten der Stare...

    ...beim Auskundschaften des neuen Neststandortes

    Während des Auskundschaftens sind insgesamt keine starken Aktivitäten am Nistkasten feststellbar. Wenn man nicht ganz genau beobachtet, könnte man denken, daß der Kasten nicht besetzt ist. Dieser Eindruck wird auch noch dadurch gefördert, daß die Stare nur morgens gegen 8:30 Uhr am Nistkasten sind. Diese Zeit des Auskundschaftens wurde peinlich genau eingehalten. Man konnte also sicher sein, daß zwischen 8:25 Uhr und 8:35 Uhr Stare am Kasten sein würden.

    Wenn das Männchen nun am Kasten ist, versucht es immer, das Weibchen mit lautem Gesang in den Kasten zu locken: Das Männchen fliegt in den Kasten, schaut aus dem Einflugloch heraus und singt intensiv. Hin und wieder kommt dann das Weibchen auch in den Kasten. Dabei ist noch zu bemerken, daß das Weibchen nur in den Kasten kommt, wenn das Männchen auch in diesem ist. Vor allem in den ersten Tagen, in denen sich das Starenmännchen und das Weibchen im Nest begegnen, ist aufgefallen, daß das Männchen oft das Weibchen heftig mit dem Schnabel bepickt. Die ungewohnte Nähe seiner "Angebeteten" scheint dem Männchen doch noch Angst zu machen. Dieses Verhalten ließ sich nach einigen Tagen Nestbau aber nicht mehr beobachten.

    ...beim Füttern

    Eine Fütterung läuft normalerweise immer nach dem folgendem Muster ab: Der Star mit dem Futter landet in ca. 10 m Entfernung auf einem Baum neben dem Kasten, wartet einige Sekunden und kommt dann Stück für Stück näher an den Kasten, wobei er immer einige Sekunden wartet, bis er näher kommt.

    ...beim Ausfliegen der Jungen

    Am 9. Mai 98 flog der erste Star bereits vor 7:00 Uhr aus. Alle anderen Stare waren noch im Kasten. Am 10. Mai lag ein Star tot im Kasten, nachdem er lange Zeit nichts mehr zu fressen bekommen hatte. Ein weiterer Star ist gegen Morgen ausgeflogen. Der größere von den zwei noch im Nistkasten befindlichen Staren blockierte nun im Laufe des Morgens die ganze Zeit das Einflugloch, so daß der kleinere Star keine Chance hatte, Fressen zu bekommen. Beide flogen aber im Laufe des Tages aus.

    Etwa ca. 20 Minuten nach dem Ausflug der beiden Stare wurden diese erstmals außerhalb des Kastens gefüttert. Das Männchen versuchte oft, in den Kasten zu fliegen, was er aber kurz vor dem Einflugloch aufgab und davonflog. Das Männchen scheint Probleme mit der neuen Situation zu haben.

    Das eine Junge konnte schon gut fliegen, aber das Schwächste flog noch sehr ungeschickt und saß eine ganze Weile auf dem Boden.

    Bemerkenswert ist noch, daß die Jungen nicht nur den Eltern hinterherlaufen, sondern allem, was einem altem Star ähnelt. So wurden z.B. auch Amseln von den jungen Staren verfolgt.

    Am 11. Mai konnten alle vier Stare schon sehr gut fliegen und fiepten eifrig nach Futter. Da das Männchen mit einem anderem Starenpärchen Streit um den Kasten hatte, brachte es "zur Ablenkung (?) " hin und wieder wie beim Nestbau Gräser und Äste in den Kasten. Das jüngste Junge lief dabei dem nistmaterialsammelnden Star hinterher und pickte ihm heftig in den Schwanz, worauf dieser das Nistmaterial fallen ließ und wieder Fressen für das Junge suchte, d.h. er konzentrierte sich wieder auf das Füttern und nicht auf den Konflikt...

    Die Jungen halten sich im Allgemeinem in einer Entfernung bis zu 30 m vom Kasten auf. Oft sitzen alle Jungen auch zusammen auf einem Baum. Wenn einer der Altvögel einen Warnruf abgibt, entfernen sich die Jungen sofort voneinander und ducken sich.

    Am 19. Mai sind die meisten Jungen schon fast so groß wie die Altvögel, aber noch sehr viel heller im Gefieder. Einige der jungen Stare sind bereits in der Lage, ihnen von uns zugeworfene Wassermelonen-stückchen selber ausfindig zu machen und zu fressen. Allerdings gibt es bei einigen Jungen immer noch Probleme, die Stücke aufzunehmen, wenn sie direkt davorstehen.

    Es gibt sehr oft Streit um das Fressen. Die Jungen laufen jetzt den futtersuchenden Altvögeln noch aktiver hinterher als früher, wobei sie den Altvögeln immer in den Schwanz beißen. Ein Altvogel, der für sich selbst etwas zu fressen gefunden hat, muß damit sofort wegfliegen, will er nicht das Risiko eingehen, daß ein Jungvogel es "klaut". Aber auch Jungvögel "klauen" sich gegenseitig das Fressen aus dem Schnabel, ja sogar die Altvögel klauen den Jungen das von ihnen gefundene Fressen.

    Noch anzumerken ist, daß seit mehreren Tagen nicht nur die Stare aus unserem Nistkasten, sondern auch andere Stare gefüttert werden. So ist zu beobachten, daß die Eltern der Stare aus unserem Nistkasten sehr oft die Fremden füttern und umgekehrt.

    Verhalten der Stare beim Angriff einer Katze auf den Nistkasten

    Beim "Angriff" einer Katze auf den Nistkasten zeigen die Staren ein eigenartiges Verhalten: Das Männchen wird unruhig (was ja auch durchaus begründet ist) und beginnt die Katze anzugreifen: Der Vogel fliegt im Tiefflug nur wenige Zentimeter über der Katze entlang und streift sie mit den Beinen, wobei er dauernd die typischen krächzenden Warnrufe abgibt. Diese locken sofort das Weibchen an, welches bei den Attacken auf die Katze hilft.

    Durch dieses Verhalten läßt sich die Katze aber nicht abschrecken, sondern sie klettert auf das Dach des Nistkastens. Die Katze scheint nicht vorzuhaben, die Jungen zu fressen sondern beobachtet nur die "Kunstflüge" der Stare. Aber diese stören sie gar nicht. Gemächlich sitzt sie auf dem Dach und wird nur aus ihrer Ruhe gebracht, weil jetzt einige Nachbarn, die vom Lärm der Stare auf das "Geschehen" aufmerksam geworden sind, angerannt kommen und die Katze verscheuchen wollen, was sie natürlich auch schaffen. Jetzt, wo die Katze weg ist, passiert wieder etwas Sonderbares: Das Männchen fliegt aufgeregt zwischen Nistkasten und der Baumkrone hin und her und singt! Warum singt ein Star nach einer solch höchst dramatischen Situation? Ist er so durcheinander, daß er nicht mehr weiß, was er machen soll? So wird es wohl auch sein, denn das Weibchen kommt jetzt eine halbe Stunde lang nicht mehr zum Nistkasten, obwohl die Jungen im Kasten laut nach Fressen schreien! Das Männchen macht auch keine Anstalten zu füttern, es fliegt zwar bis zum Einflugloch, schaut mal kurz in den Kasten hinein, aber fliegt dann sofort wieder weg. Erst nach einigen Stunden bekommen die Jungen wieder etwas zu fressen. Wir sagen hier deswegen "etwas" weil sie ihre ganzen restlichen Tage, die sie noch im Nistkasten verbringen, viel weniger bekommen, als sie normalerweise bekommen hätten. Zum Glück sind die jungen Stare zwei Tage später ausgeflogen; sonst wäre es wohl mit dem Fressen knapp geworden.

    Zeitlicher Überblick (1998)
     

    01.02. Viele Stare sind auf hohen Bäumen zu sehen. Sie sind noch in Gruppen, singen jedoch vor allem bei warmem Wetter sehr laut.
    10.02. Trotz des warmen Wetters sind keine Aktivitäten am Nistkasten zu erkennen.
    18.02. Erste Aktivitäten am Starenkasten – Männchen singt auf Baum, Weibchen inspiziert sehr lange das Innere des Nistkastens; Das Männchen vertreibt andere Stare vom Baum.
    19.02. Das Männchen singt auf dem Baum, während das Weibchen den Nistkasten inspiziert. Die Stare sind nur bis ca. 10:00 Uhr am Kasten, danach herrscht völlige Ruhe bis zum nächsten Tag.
    20.02. Zwei Männchen sind am Kasten. Anbringen der Kamera im Nistkasten.
    23.02. Gegen 08:30 Uhr sind ein Männchen und ein Weibchen im Nistkasten zu sehen.
    05.03. Nestbaubeginn; mehrere Blätter sind im Nistkasten zu sehen.
    12.03. Gegen 08:30 Uhr wurde zwei Stare längere Zeit vor dem Nistkasten beobachtet; es werden z.Z. nur noch selten Videos aufgenommen, da die Durchschnittstemperatur um 2°C liegt. Am Nest wurde nicht weitergebaut.
    15.03. Es ist wärmer geworden - den ganzen Morgen und Vormittag werden Stare am Nistkasten beobachtet.
    Ab 28.06. Die Stare gehen nicht mehr bevorzugt am Morgen in den Nistkasten. Durchschnittstemperatur: 15°C.
    01.04. Eindeutiger Beginn des Nestbauens, hauptsächlich das Weibchen baut im Nest. Bei Regenwetter wird weniger gebaut als bei Sonnenschein.
    04.04. Unterbau vom Nest fertig; Oberbau wird begonnen. Bei Regen gibt es keine Einflüge, aber sofort wieder, wenn die Sonne scheint.
    06.04. bis 10.04. Ablage von insgesamt sechs Eiern
    20.04. bis 24.04. Schlüpfen von fünf Jungen
    26.04. Die Jungen sind nur ganz leicht behaart. Sie können sich nicht richtig mit den Beinen bewegen.
    28.04.  Die Jungen sind dicker geworden und stärker behaart.
    30.04. Die Jungen sind nochmals um vieles mehr dicker geworden, Schwanzansätze sind zu erkennen.
    02.05. Die Jungen sind sehr stark behaart und können sich gezielt bewegen und aufrecht stehen. Federansätze sind überall deutlich zu erkennen. Die Jungen sind aber immer noch blind.
    04.05. Ausfall der Kamera wegen Kondenswasser.
    06.05. Kamera wieder funktionsbereit. Die Jungen haben kurze Federn und spitzere Schnäbel. Sie haben die Augen voll geöffnet.
    08.05. Angriff einer Katze auf den Nistkasten. Die Jungen sind voll befiedert. Sie haben einen langen Schwanz und spitze Schnäbel. Die Flugfedern sind auch schon gut entwickelt.
    09.05. Ein Star bereits gegen 10:00 Uhr ausgeflogen, wird in etwa 20 m Entfernung vom Kasten in den Bäumen gefüttert. Alle anderen Stare bleiben im Nistkasten.
    10.05. Ein Star ist tot; die zwei letzten sind gegen Mittag ausgeflogen
    11.05. Vier junge Stare werden in der Nähe des Nistkastens gefüttert; können z.T. noch nicht gut fliegen. Von einem Starenmännchen werden Blätter und Gräser in den Kasten gebracht.
    12.05. Vier junge Stare werden in der Nähe des Nistkastens gefüttert; inzwischen können sie alle gut fliegen. Von einem Starenmännchen werden Blätter und Gräser in den Kasten gebracht.
    13.05. Vier junge Stare werden in der Nähe des Nistkastens gefüttert; sie können sehr gut fliegen. Von einem manchmal singendem Starenmännchen werden Blätter und Gräser in den Kasten gebracht.
    14.05. Die vier jungen Stare werden nur noch selten vom Männchen gefüttert; hauptsächlich füttert das Weibchen. Das Männchen bringt viele Blätter in den Nistkasten und singt intensiv.
    15.04. Im Freien werden etwa sechs Junge von vier Altvögeln gefüttert. Ein Männchen singt intensiv am Nistkasten und baut am Nest.
    16.04. S.o., aber die Selbstständigkeit der Jungen nimmt stark zu.
    17.04. Die Jungen werden leiser und viel selbstständiger; inzwischen können sie sehr gut fliegen und suchen selbst nach Futter. Sie werden seltener gefüttert.
    20.05. Die Fütterungsaktivitäten der Altvögel gehen weiter zurück.
    21.05. Die jungen Stare wurden nur noch sehr selten gehört. Die vier Junge sehen schon fast so aus wie die Altvögel.
    22.05. Die Jungen wurden nicht mehr gesehen oder gehört.
    23.05. Ein Männchen singt am Kasten intensiv. 
    06.06. Das Nest ist inzwischen deckend, aber noch nicht sehr hoch; wahrscheinlich sind z.Z. keine Stare am Nistkasten.
    10.06. Keine Aktivitäten am Nistkasten mehr festzustellen; Kamera wird abgebaut.

    Diskussion

    Ziel unserer Arbeit war, das Leben von Grauschnäpper und Star innerhalb seiner Nester möglichst umfassend durch Videos zu beobachten und Vorgänge, wie z.B. Fütterungen und Hudern, zu beschreiben. Nebenbei wollten wir dokumentieren, wie die Jungen sich entwickeln, und ob es bei fortschreitender Entwicklung der Jungen Änderungen im Verhalten der Altvögel gibt.

    Nach zweijährigem Aufzeichnen (1997 und 1998) von Videoaufnahmen konnten wir mit der Auswertung der Bilder beginnen. Die Ergebnisse haben sich als sehr interessant herausgestellt.

    Wir können nun mit Hilfe der Videos alle Vorgänge im Nest beschreiben. Wir haben dies bei den wichtigsten Ereignissen, wie z.B. Nestbau und Fütterung, mit diesem Projekt auch getan. Ebenfalls haben wir mehrere interessante Ereignisse festgestellt, z.B. daß Grauschnäpper uns bis jetzt unbekannte Geräusche am Nest von sich geben.

    Zu den wichtigsten Ergebnissen unserer Arbeit gehört bei den Grauschnäppern, daß kurz nach dem Schlüpfen des Jungen der hudernde Altvogel oft von seinem Partner gefüttert wird. Der hudernde Altvogel teilt sich dieses Fressen mit dem Jungen. Wenn der Partner direkt selbst füttern will, reagiert das Junge manchmal nicht. Durch für uns eigenartige Geräusche erreicht er jedoch meistens, daß das Junge das Futter annimmt.

    Bei den Staren konnten wir bestätigen, daß die Hauptaktivitäten zwischen ca. 8:00 Uhr und 10:00 Uhr liegen.

    Das Männchen scheint anfangs Probleme mit der Nähe des Starenweibchens zu haben.

    Stare reagieren grundsätzlich empfindlich auf Störungen am Nest, d.h. es ist möglich, daß das komplette Nest nicht mehr angenommen wird. So haben wir die Nestdokumentation für die Stare 1997 verloren.

    Zum Verhalten der Jungvögel ist anzumerken, daß diese in den letzten Tagen vor dem Ausflug so "futtergierig" werden, daß das kräftigste Junge zum Nachteil aller anderen das Einflugloch blockiert, auf diese Weise das gesamte Futterangebot bekommt, dadurch schneller kräftiger wird und zuerst ausfliegt. Nun wird das Futterloch vom Nächststärksten besetzt. Die schwächeren Jungen können dabei im Nest verhungern.

    Probleme mit der Kamera bei den Staren

    Bei den Grauschnäppern hatten wir mit der Kamera überhaupt keine Probleme; bei den Staren war das schon anders: Da der Kameraraum nur schlecht vom Brutraum abgedichtet war, zog neben der Kamera die ganze warme und (vor allem bei Regenwetter) feuchte Luft in den Kameraraum. Da es dort aber kälter war, kondensierte die feuchte Luft an den Wänden und leider auch an und in der Kamera. Dies führte zu kleinen Wassertröpfchen auf der Platine und im Objektiv. Die Bilder wurden daher mit der Zeit immer vernebelter und unschärfer. Da die Wassertröpfchen auf der Platine aber auch größer wurden, gab es bald darauf einen Ausfall der Kamera. Da diese nicht bei Tag ausgewechselt werden konnte, mußten wir sie bei Nacht, wenn die Jungen schliefen, aus dem Kasten nehmen. Nach dem Trocknen konnte sie wieder eingebaut und in Betrieb genommen werden.

    Als Faustregel für eine nachträgliche Veränderung am Starenkasten muß gelten, daß die Altvögel Reparaturarbeiten am Kasten überhaupt nicht bemerken dürfen, da die Altvögel diesen sehr wahrscheinlich nicht mehr annehmen würden. D.h. man kann tagsüber während der Fütterungsphase keine Änderungen vornehmen und nachts auch nur, wenn die Altvögel schon außerhalb des Kastens (und hoffentlich!) in sicherer Entfernung schlafen. Unser Projekt wäre ein Jahr früher fertig geworden, wenn wir diese Regel (die wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannten) beachtet hätten!

    Ansatz zur Weiterarbeit

    Das Projekt könnte weitergeführt werden, indem man die Videos in Hinblick auf andere Gesichtspunkte auswertet, die noch zu bestimmen wären. Ebenfalls könnte man neben dem Nest gleichzeitig die Gegend um das Nest herum filmen, um so verschiedene Verhaltensweisen besser erklären zu können, da sich außerhalb des Nistkastens auch sehr viel Interessantes abspielt. Auch interessant wäre das Anbringen eines Mikrofons im Starenkasten, da die Stare bestimmt auch viele interessante Geräusche von sich geben, die man noch identifizieren müßte. Eine Verbindung zwischen den Beobachtungen und dem Wettergeschehen wäre sicher ein weiterer interessanter Ansatzpunkt. Außerdem wäre es besser, die Videos alle zur gleichen Uhrzeit aufzunehemen, da man so die Entwicklung verschiedener Verhaltensweisen besser vergleichen kann.

    Literatur

    Hilt, J. und Mischke, J.: "Methoden zur Erfassung der Fütterungsaktivitäten beim Star",

    Jugend-Forscht-Projekt, Berlin 1997

    Pott, E.: "Vögel in Wald, Park und Garten", Franck´sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1988

    Schildmacher, H.: "Wir beobachten Vögel", Gustav Fischer Verlag, Jena 1966

    Schildmacher, H.: "Einführung in die Ornithologie", Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1982
     
     

    Copyright by Jonas Hilt and Jakob Mischke