Molthagen: Der erste Schleier

Der erste Schleier...


Von Michael Molthagen © 1999 - Alle Rechte vorbehalten.

Stand: 25.11.99


Manchmal werde ich gefragt, wie eine Frau in Deutschland, wo es praktisch keine Schleier zu kaufen gibt, sich denn nun verschleiern soll. Denn einige Frauen wollen es, aus ganz verschiedenen Gründen, manche wegen dem islamischen Ehemann, während sie selbst Deutsche sind, andere auf Wunsch des gar nicht einmal islamischen Ehemannes ...

Das Kopftuch

Der einfachste Schleier ist ein Kopftuch. Aber das so zu binden, daß es stramm am Kopf anliegt und auch, wie es ja sein soll, keine Haare hervor lugen oder sich auch nur den Weg ans Licht bahnen können, ist schon eine Kunst, die eine Frau, die das Kopftuch tragen will, sich am besten von einer erfahrenen Frau erklären läßt, z.B. in einem türkischen Geschäft oder Supermarkt, wo man auch oft die großen Kopftücher kaufen kann. Denn groß müssen die Kopftücher sein, will eine Frau sich vernünftig bedecken. Zumindest 90 x 90 oder besser noch 110 x 110 cm sollte so ein Tuch groß sein. Auch der richtige Stoff will getragen werden, es empfiehlt sich entweder Seide oder Baumwolle. Auch manche Kunstfaser, z.B. Polyester, kann als Kopftuch verwendet werden. Dies ist meist pflegeleichter als Baumwolle oder Seide.

Eine einfache Art, sich ein Kopftuch effektiv zu binden, ist mit zwei Tüchern zu arbeiten, einem kleinen (etwa 80 x 80 cm), das man diagonal faltet, so daß sich ein Dreieck ergibt. Dies legt man so über die Stirn, daß die lange Kante über den Augen liegt, und bindet die beiden Enden der langen Kante dann hinter dem Kopf zusammen. So ist die Stirn bedeckt und die Haar sind gebändigt. Mit dem zweiten, größeren Kopftuch, das man ebenfalls zu einem Dreieck legt (manche Frauen falten es nicht in der Mitte, sondern mehr zu einer Ecke hin, so daß das Dreieck etwas größer wird, legen die lange Kante auf den Kopf und ziehen die beiden Enden der langen Kante unter das Kinn. Dort werden sie mit Nadeln oder besser noch einer Brosche befestigt, so daß das Kopftuch fest sitzt. Mit der Brosche sieht das immer besser aus als mit einem bäuerlichen Knoten unter dem Kinn. Verwendet man ein unifarbenes Stirntuch und ein buntes Kopftuch, ergibt sich ein sehr netter Anblick.

Der Khimar

Eine Alternative hierzu sind die meist schwarzen oder weißen Khimars, die man in manchen türkischen Geschäften kaufen kann. Dabei handelt es sich um dehnbare »Schläuche«, einen kleinen, den die Frau von oben über den Kopf zieht, bis die Stirn bedeckt ist (besser noch, man zieht dieses Stück, das wie ein zu breites Haarband aussieht, ganz nach unten und dann wieder hoch, um so die Haare zu bändigen), und einen großen, der wie eine Kapuze aussieht, den man über das Stirntuch und den Kopf zieht und locker über die Schultern fallen läßt. Diese Kapuze hat unten eine Öffnung für die Schultern und freilich eine für das Gesicht. Mit diesen elastischen Stoffschleiern fällt das Knoten und Feststecken weg.

Niqab und Chador

Diese beiden Kleidungsstücke erlauben es einer Frau, sich effektiv zu verschleiern. Der Niqab ist ein Gesichtsschleier, der Chador der Körperschleier, der auch ohne Niqab getragen werden kann. Manche Frauen tragen mehrere verschiedene Niqabs übereinander.

Niqab

Im Prinzip ist der Niqab ein langes, schmales rechteckiges Tuch. Eine mögliche Größe ist z.B. 40 x 120 cm. An einem der schmalen Enden wird an beiden Seiten jeweils ein etwa 20 cm langes Band angenäht, die die schmale Kante verlängern. Mit Hilfe dieser Bänder wird das Tuch nun am Kopf befestigt, je nach Niqab oberhalb oder unterhalb der Augen.

Einfacher Niqab

Der einfache Niqab ist ein blickdichtes Tuch aus Seide, Baumwolle oder Kunstfaser, daß Nase, Mund und alles darunter liegende bedeckt. Hier hat sich übrigens als Band ein Gummiband bewährt, das man hinter dem Kopf an befestigt (z.B. an einem Haar- oder Stirnband, dem Untertuch eines Khimar o.ä.). So kann die Frau, wenn sie etwas essen oder trinken will, den Niqab ein wenig herunterziehen und danach wieder über die Nase zurückziehen.

Niqab

Der Niqab ist ein dünnes Tuch aus Seide, Baumwolle oder Kunstfaser, das das ganze Gesicht bedeckt. Es wird also über das ganze Gesicht gelegt und mit den Bändern hinter dem Kopf verknotet. Es soll nicht ganz blickdicht sein, so daß die verschleierte Frau noch sehen kann, ihr Gesicht aber von außen kaum noch zu erkennen ist. Manche Frauen tragen auch ein ziemlich blickdichtes Tuch, das ihnen kaum mehr als nur wenige Schritte weit zu sehen erlaubt. Sie sind dann darauf angewiesen, von jemandem geführt zu werden. Oft gehen sie darum zwei oder drei Schritte hinter ihrem Mann.

Niqab mit Augenschlitzen

Dieser Niqab ist wiederum aus blickdichten Material, besteht manchmal sogar aus mehreren Lagen, und weist für die Augen Öffnungen auf - manchmal einen langen Schlitz für beide Augen, manchmal für jedes Auge je einen Schlitz. Diese Schlitze sind unterschiedlich lang und breit, je nachdem, wie die Frau sich verhüllen möchte.

Manche Frauen tragen mehrere dieser Schleier übereinander - zuunterst den einfachen Niqab, der die Augen frei läßt, hierüber einen Niqab, durch den sie - mehr oder weniger gut - gucken können und zum Schluß einen Niqab mit Augenschlitzen. Da sich der Niqab, wenn er oberhalb der Augen endet, über den Kopf nach hinten schlagen läßt, können sie sich soweit verhüllen, wie sie jeweils möchten.

Chador

Der Chador ist nun das Oberkleid der verhüllten Frau. Es handelt sich im Prinzip um ein großes Stück Stoff mit einer langen, geraden Kante, zwei hierzu im rechten Winkel stehenden etwas kürzeren geraden Kanten, die gegenüber der langen Kante dann in eine lange, nach außen größer werdende Rundung übergehen. Die lange gerade Kante wird über den Kopf gelegt, so daß die etwas kürzeren Kanten an den Seiten nach unten fallen, die Rundung aber hinten. Die Frau zieht dann entweder den Schleier unter dem Kinn zusammen und hält ihn dort, oder die beiden nicht so langen geraden Kanten werden bis auf einige Zentimeter für das Gesicht zugenäht. Manch ein Chador reicht bis zum Boden, mancher nur bis über Arme und Hüften. Im Idealfall wird mit Ausnahme des Gesichtes der ganze Körper bedeckt. Das Gesicht wird ja hierbei vom Niqab bedeckt.