Korallen
Was sind eigentlich Korallen? Diese scheinbar einfache Frage läßt sich nicht kurz beantworten. Wie Seeanemonen oder Quallen besitzen Korallen Nesselzellen und gehören deshalb zur großen Gruppe der Nesseltiere (Cnidaria). Innerhalb der Nesseltiere sind sie näher verwandt mit anderen Blumentieren (Anthozoa) wie  Seeanemonen oder Gorgonien.
 
 Quallen (Scyphozoa)   (Hydrozoa)   Blumentiere (Anthozoa)
Ohrenqualle (Scyphozoa) Tubularia (Hydropolyp) Gorgonien Seerosen Korallen
Gelbe Gorgonie (Anthozoa) Seerose (Anthozoa) Hirnkoralle (Anthozoa)
Ohrenqualle Hydropolyp Gelbe Gorgonie Dickhörnige Seerose Hirnkoralle
   Aurelia aurita    Tubularia indivisa    Eunicella cavolinii    Urticina felina    Favia sp.
 
"Leider" gibt es da aber die Feuerkorallen (Milleporidea): Sie gehören nicht zu den Blumentieren sondern zu den Hydrozoa (keine deutsche Bezeichnung). Ihren Namen verdanken sie Nesselzellen, die in der Lage sind die menschliche Haut zu durchschlagen und dann ein sehr schmerzhaftes Gift zu injezieren.

Selbst Biologen vergessen oft die Feuerkorallen und beschreiben Korallen dann als Blumentiere. Da Feuerkorallen aber mit ihren massiven Kalkskeletten am Aufbau der Riffe beteiligt sind, möchte ich an dieser Stelle zumindest auf sie hinweisen. 

Feuerkoralle
Platten-Feuerkoralle Millepora platyphylla
 
Abgesehen von den Feuerkorallen sind Korallen also Blumentiere. Häufig werden Weichkorallen von Steinkorallen abgegrenzt. Weichkorallen sind gemeinhin Blumentiere im tropischen Riff, die nicht zu den Steinkorallen gehören; ein Kennzeichen, das keine nähere Verwandschaftsgruppe umschreibt und ziemlich nichts-sagend ist.
Stachel-Weichkoralle

 

Weichkoralle
stachelige Weichkoralle Strauß-Weichkoralle
Dendronephtya sp. Xenia umbellata
 

Tropische Steinkorallen (aus der Gruppe Madreporaria "Steinkorallen") bilden dagegen ein mächtiges Kalkskelett. Ohne sie ist der Lebensraum Riff nicht vorstellbar. Ihr Wachstum läßt das Fundament des Riffes entstehen, auf ihren gigantischen Skeletten wachsen und leben die anderen Riff-Bewohner.

Korallen könnten allerdings -auf sich allein gestellt- diese Unmengen an Kalk gar nicht produzieren: Kleinste Algen in ihren Zellen, sogenannte Symbionten ("Untermieter"), beschleunigen die Ablagerung, indem sie das chemische Gleichgewicht zum Kalk hin verschieben. Ohne Algen wäre die Kalkablagerung zu gering, um ganze Riffe entstehen zu lassen. Zu schnell würde das nagende Wasser das entstehende Riffe wieder anlösen. Entscheident ist das chemische Gleichgewicht zwischen wasserunlöslichem Kalk auf der einen und seinen wasserlöslichen Komponenten -den sogenannten Ionen- auf der anderen Seite. Eine Komponente des Kalks ist Karbonat, die andere das Calcium-Ion.

Bei ihrer Photosynthese verbrauchen die Alge wie alle Pflanzen Kohlendioxid. Über mehrere Reaktionen steht das Kohlendioxid mit dem Karbonat im Zusammenhang: Wird dem Wasser ständig Kohlendioxid durch Photosynthese entzogen, fällt kontinuierlich Kalk aus, der in das Skelett der Korallen eingelagert wird.
Dieses Zusammenleben zwischen Koralle und Pflanze ist sehr empfindlich gegenüber Störungen: Bei hohen Wassertemperaturen oder Umweltverschmutzung -Biologen sprechen von "Streß"- wirft der Wirt seine Untermieter raus. Die Koralle verliert an Farbe; sie bleicht aus. Das Korallenbleichen ist bis zu einem bestimmten Punkt reversibel, die Alge erholt sich wieder. Wirkt der Streß zu lang auf die Tiere ein, sterben sie aber, ihrer lebenswichtigen Helfer beraubt, ab.

 
Verbreitungsgebiet der Korallen Bei starker Trübung des Wassers dringt nicht genug Licht zu den Untermietern vor. Im Einflußbereich großer Flüsse wie dem Amazonas oder dem Orinoco sucht man deshalb vergeblich nach Korallen (siehe Karte): Die gesamte Nordküste und auch Teile der Ostküste Südamerikas sind frei von Riffen. Unterhalb einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 20°C über das Jahr gemittelt können Korallen nicht leben. Dies beschränkt das Verbreitungsgebiet auf einen schmalen Gürtel um den Äquator, vom 32° nördlicher Breite bis zum 30° südlicher Breite. Auf den Bahamas, die deutlich nördlicher liegen, sorgt eine warme Meeresströmung für die entsprechenden Lebensbedingungen.
 

Massenhaftes Korallensterben bedroht Riffe weltweit, verantwortlich sind Treibhauseffekt, erhöhte Wassertemperaturen und verstärkte Umweltverschmutzung, aber auch zunehmend der Tourismus. Bei einem sehr langsamen Wachstum der Kolonien (von wenigen cm im Jahr) brauchen Riffe Jahre um sich von kurzzeitigen Störungen - wie bspw. einem Wirbelsturm - zu erholen. Wenig verwunderlich, daß ein weitausgedehntes Absterben, nach Jahrzehnten noch zu erkennen ist. Riffe stellen deshalb einen Lebensraum dar, der auf Dauer nur durch intensivste Schutzmaßnahmen erhalten werden kann.

Riffbildende Korallen sind also Feuerquallen und tropische Steinkorallen. Stein"korallen" (Madreporaria) kommen auch im Mittelmeer, ja sogar im kalten Atlantik vor. Hier leben sie aber nicht mit Algen zusammen, die ihnen bei der Kalkablagerung zur Hand gehen.

Deshalb: Riffe gibt es nur dort, wo Korallen mit speziellen, symbiontischen Algen (den sogenannten Zooxanthellen) vorkommen. Dies ist begrenzt auf einen schmalen Gürtel rund um den Äquator.

 

Zurück Vor
link Inhalt link Haie und andere Raubfische

copyright sveno